MitmachenVEV-Vorbild

Die Geschichte der Bahnstrecke Vorwohle–Emmerthal (oft auch als Vorwohle-Emmerthaler Eisenbahn bezeichnet) ist ein faszinierendes Stück norddeutscher Kleinbahngeschichte. Sie zeigt exemplarisch den Überlebenskampf privater Nebenbahnen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Hier ist ein kompakter historischer Abriss mit besonderem Fokus auf die prägenden VEV-Jahrzehnte.

Vorgeschichte und Blütezeit (1900–1960er)

Die 32,3 Kilometer lange, eingleisige Nebenbahn wurde am 9. Oktober 1900 von der Vorwohle-Emmerthaler Eisenbahn-Gesellschaft AG (VEE) offiziell eröffnet. Sie schloss eine wichtige Lücke im Weserbergland, indem sie die Staatsbahnstrecke Hannover–Altenbeken (in Emmerthal) mit der Strecke Altenbeken–Kreiensen (in Vorwohle) verband.

Jahrzehntelang florierte die Bahn unter der Betriebsführung der Deutschen Eisenbahn-Betriebs-Gesellschaft (DEBG). Sie transportierte landwirtschaftliche Güter, Holz, Produkte der lokalen Steinbrüche und Kalkwerke sowie im Personenverkehr Ausflügler und Pendler (unter anderem nach Hameln). Nach dem Zweiten Weltkrieg machten der Brückenbau über die Weser bei Bodenwerder und das Aufkommen des Autoverkehrs der Bahn jedoch zunehmend zu schaffen. In den 1960er Jahren beschloss die DEBG den Rückzug, was fast das Aus der Strecke bedeutete.

Die Ära der VEV: Die 1970er und 1980er Jahre

Um die Stilllegung der für die Region wichtigen Strecke zu verhindern, gründeten der Landkreis Holzminden, die Anliegergemeinden und die lokale Industrie am 18. Mai 1967 eine Auffanggesellschaft: die Vorwohle-Emmerthaler Verkehrsbetriebe GmbH (VEV).

Diese beiden Jahrzehnte waren geprägt von einem ständigen Auf und Ab zwischen engagierten Reaktivierungsversuchen und dem unaufhaltsamen Rückzug aus der Fläche.

Das zähe Ringen um den Personenverkehr

Die VEV versuchte unter eigener Betriebsführung mutig, den Personenverkehr im Wesertal abschnittsweise wiederzubeleben, da dieser zwischenzeitlich komplett zum Erliegen gekommen war:

* Dezember 1968: Wiederaufnahme des Personenverkehrs zwischen Emmerthal und Bodenwerder-Linse.
* 1969 bis 1974: Schrittweise Verlängerung der Triebwagen über Kirchbrak bis zur Gesamtstrecke nach Vorwohle (ab Mai 1974).

Doch der Erfolg blieb aus. Die Fahrgastzahlen waren im Zeitalter des "Wirtschaftswunders" und des eigenen Pkw schlicht zu gering.

Bereits am 1. April 1975 wurde der Personenverkehr zwischen Kirchbrak und Vorwohle wieder eingestellt.

Am 25. September 1982 folgte das endgültige Aus für den regulären Personenverkehr auf der Schiene auch auf dem verbliebenen Abschnitt Emmerthal–Kirchbrak. Der Verkehr wurde fortan komplett auf Omnibusse verlagert.

Der Güterverkehr und die "Retter" der Strecke

Der Güterverkehr lief in den 1970er und 1980er Jahren deutlich stabiler und sicherte das Überleben der VEV. Große Bedeutung hatten hierbei:

* Das Kalkwerk Hehlen und die Holz- sowie Steinindustrie entlang der Strecke.
* Die Bundeswehr: Mitte der 1980er Jahre flossen erhebliche staatliche Zuschüsse in den Streckenunterhalt, da die Bahnlinie für Militärtransporte strategisch wichtig war.
* Das Kernkraftwerk Grohnde: Der Bau des Kraftwerks (Inbetriebnahme 1984) und die spätere logistische Anbindung brachten der VEV wichtige Transporte und sicherten den nördlichen Streckenabschnitt ab.

Optisch war die Strecke in dieser Zeit ein Paradies für Eisenbahnromantiker: Neben betagten Dieselloks prägten vor allem gebrauchte, rote Schienenbusse (teilweise von der AKN übernommen) das Bild auf den Schienen, während sie über architektonische Highlights wie das Wickenser Viadukt rollten.

Niedergang und heutiger Zustand (ab 1990)

In den 1990er Jahren verlor die Bahn durch den Strukturwandel und die Verkehrsverlagerung auf die Straße fast ihre gesamte wirtschaftliche Basis. 1994 stand die VEV kurz vor der Gesamteinstellung, die jedoch wegen drohender Rückzahlungen von Fördermitteln abgewendet werden musste. 2014 wurde die VEV schließlich aufgelöst.

Heute ist die Strecke zweigeteilt:

* Der östliche Abschnitt von Vorwohle über Eschershausen bis Kirchbrak/Bodenwerder ist komplett stillgelegt und wurde in weiten Teilen zu einem wunderschönen Bahnradweg umgebaut.
* Der nördliche Abschnitt (Emmerthal bis Bodenwerder) erlebte dagegen ein kleines Comeback: Er wurde von einem lokalen Kieswerk übernommen, saniert und wird heute wieder für den Güterverkehr (Kiestransporte) genutzt.

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